Die Atlantik Überquerung (Barfussroute

 

Es ist Dienstag der 13. November. Am Vorabend hatten wir beschlossen heute auszulaufen und den großen Sprung über den Atlantik zu starten. Das sind die nächsten 2.023 Seemeilen bis Barbados. 3 Tage lagen wir in Mindelo vor Anker. Der Wind war mit 25 – 35 kn zeitweise zu stark um bequem auslaufen zu können. Deswegen haben wir abgewartet, wie die vielen anderen Segler auch, die Mindelo noch einmal als letzten Halt vor der Überquerung angesteuert hatten. Am Montag machten sich die ersten Segler auf, und wir entscheiden Dienstag abzulegen.

 

Vormittags sind Sven, Mark und ich sehr früh auf den Fischmarkt gegangen um einen frischen Thunfisch zu kaufen. Doch die Fischhalle war komplett leer, keine Fische in der Auslage, nur wartende Einheimische vor und in der Halle. Wir beobachteten die Szenerie und suchten nach einer Erklärung. Waren wir schon zu spät, oder noch zu früh? Man sagte uns so gegen 7 Uhr sei eine gute Zeit. Besser früh als zu spät. Es war 8 Uhr, uns sprach ein Einheimischer an, der erklärte dass der starke Wind das Problem für die Fischer sei. Wir wissen nicht ob er den Fang meint, oder die Rückkehr der Fischerboote. Sein Englisch war nicht so gut, aber immerhin sprach er ein paar Worte, und versuchte uns einen gefrorenen Thunfisch zu verkaufen. Das wollten wir natürlich nicht, und wir zogen weiter um den Angelladen zu suchen, und neue Köder und Haken (die Verluste dieser Teile waren in den letzten Tagen erheblich) zu besorgen, um das Thema erneut anzugehen. Mit professionellem Material kehrten wir zur SAMCAT zurück, die inzwischen voll betankt wurde, und startklar war.

               

 

Sven ist für die Notfalltasche zuständig, die auch noch gepackt werden musste, und dann ging es los. In die Notfalltasche kommen überlebenswichtige Dinge, die wir im Notfall auf der Rettungsinsel dabei haben sollten, Reisepässe, Kreditkarten, Zigaretten …. ;-))

 

 

Um 13 Uhr local Time (-2 STD zu Deutschland), beginnt für mich der 3. Teil der Atlantiküberquerung. Die Hälfte der Gesamtstrecke von rund 4.000 Seemeilen habe ich schon hinter mir. Das kommt mir gar nicht so vor, die Zeit vergeht so schnell.

 

 

Wir verlassen die Bucht von Mindelo unter Motor, und setzten bald die Genua. Der Wind ist mit 20 – 30 kn lebhaft, und die Wellen, bei sogenannter Kreuzsee, machen allen irgendwie zu schaffen. Die Wellen kommen dabei nicht nur aus einer Richtung, sondern Kreuz und Quer, und schütteln uns ganz schön durch. Skipper Martin erklärt das hat etwas mit der Landabdeckung zu tun. Zunächst fahren wir zwischen 2 Inseln entlang, dann liegen sie hinter uns, haben aber noch Einfluss auf Wind und Welle. Es braucht noch eine Weile bis wir im Passatwind eintauchen, der dann beständig aus Nordost wehen soll, um uns konstant über den großen Teich zu schieben.

 

Auf meine Frage ob der Sundowner heute wegen des unruhigen Wetters ausfällt, kommt von Mark wie aus der Pistole geschossen die Antwort „das glaube ich nicht“.

 

 

Den Sundowner, Campari Orange, verpasst Martin. Er kämpft gegen aufkommende Übelkeit. Wir eiern alle über Deck wie der Kellner bei „dinner for one“ in der Endphase. Die Welle nimmt uns ganz schön mit, und wir überlegen ob wir überhaupt etwas zu Abend essen wollen. Die vorbereitenden Hähnchenkeulen müssen aber weg, und deswegen wandern sie in den Backofen.

 

Martin sieht gar nicht mehr glücklich aus, und auch Mark greift nach dem Essen zu einer Reisetablette. Ich habe und hatte zum Glück noch keine Probleme mit Seekrankheit.

 

Meine Wache verläuft ruhig. Um 22 Uhr übernehme ich wieder von Sven. Wir haben den Wachplan nicht geändert. Es haben sich Alle an ihre Zeiten gewöhnt, damit bleibt alles wie es ist.

 

2 Segler liegen ca 4 Nm vor uns und haben den selben Kurs. Ich sehe beide Topplichter der Masten vor mir, in der Mitte die waagerecht liegende Mondsichel. Der Mond wird immer roter, und taucht schließlich, waagerecht wie eine Schale, zwischen den beiden Segelbooten ins Wasser ein, bis er schließlich am Horizont versunken ist. Eine unglaublich schöne Szenerie. Danach ist der Sternenhimmel noch klarer zu sehen. Unglaublich schön, mit Unmengen von Sternen und einigen Sternschnuppen.

 

 

Mittwoch, 14. November 2018

 

Gegen 6 Uhr in der Früh, zum Ende von Mark‘s Wache, haben wir den ersten Segler überholt. Der zweite Segler, segelt 3,6 nm vor uns, sollte bald der Nächste sein.

 

Zum dritten Mal auf dieser Reise setzen wir den Parasailor. Es ist Mittwoch, 14. November 2018, 12 Uhr.

 

Ich stehe wieder mit Mark auf der Flybridge, bediene den Niederholer und die Schot an Steuerbord, sowie die Motoren. Wir haben ca 15 kn Wind, und 6-7 kn Speed. Nach Setzen des Parasailors sind es locker mal 2 kn mehr, und wir ziehen ca 2 Stunden später an Segler Nr. 2 vorbei. 7 – 8 kn ist nun unsere konstante Geschwindigkeit, bei einem Wind von 12 – 15 kn.

 

 

Alles ist ruhig, wir gleiten schön dahin. Ich liege auf dem Vorschiff, lese und schlafe. Wach werde ich, als der Parasailor wie wild über mir flattert. Ich dachte zunächst der Wind hat gedreht, schaue nach oben auf die Bridge und sehe Mark und Skipper Martin mit einem leicht angespannten Blick, der versucht die Lage in den Griff zu bekommen. Als ich mich umdrehe und nach vorne blicke, sehe ich 200 m vor uns ein Fischerboot, das Treibnetze auswirft. Offensichtlich hat der Fischer kein AIS, war auf dem Radar nicht zu sehen (warum auch immer), und auch sonst hat ihn keiner bemerkt. Skipper Martin reagiert sofort mit Kursänderung, auf das Segel kann dabei keine Rücksicht genommen werden, denn wir bewegen uns direkt auf das Fischerboot zu, dass keine Anstalten einer Kursänderung macht. Das waren Schrecksekunden die uns alle wachgerüttelt haben und verdeutlichen, sich nicht nur auf die Technik zu verlassen, sondern in unseren Wachen auch aufmerksam mit den Augen zu schauen.

 

Danach geht es ruhig weiter. Zum Abendessen gibt es kalte Platte. Von der Angelei werde ich nicht mehr weiter berichten, bis ein nennenswertes Ereignis eintritt.

 

Den Sundowner nehmen wir auf dem Vorschiff ein, ein gut gemixter Gin Tonic, mit wilder Musikbegleitung von Marks Playlist.

 

 

Skipper Martin entscheidet den Parasailor in der Nacht gesetzt zu lassen, entscheidet aber auch auf der Flybridge zu schlafen, um bei Windänderung schneller reagieren zu können.

 

Meine Wache verläuft ruhig. Ich übernehme bei 6-7 kn Speed, und 12-14 kn Wind und einer Reststrecke von 1.816 Nm. Kein anderes Boot weit und breit, keine größere Wetter oder Wind Veränderung, alles easy.

 

 

Donnerstag, 15. November 2018

 

Nach einem quick breakfast, jeder macht sich was er will, kommt plötzlich der Schrei von Skipper Martin „Fisch an der Leine“. Zunächst kann es keiner glauben und alle stürzen zum Ort des Geschehens. Tatsächlich, ein Fisch an der Leine. Wir können noch nicht erkennen was für einer es ist. Seit Tagen warten wir auf diesen Moment. In Windeseile werden alle Vorbereitungen getroffen. Zunächst kämpft Skipper Martin mit dem Fang, Sven löst ihn ab, und danach darf Mark auch seine Kraft der Angel zeigen. Von wegen kein Sport an Bord. Den Jungs läuft die Suppe nur so runter, sie stöhnen und japsen. Mark zieht seine Rettungsweste an. Er soll den Fisch mit dem Haken irgendwie ans Deck hieven. Martin wird derweil auf die Flybridge geschickt und erhält von Skipper Martin den Auftrag die Geschwindigkeit irgendwie zu reduzieren. Der Parasailor war noch gesetzt und wir fahren mit eine Geschwindigkeit von ca 8 kn. Keine so leichte Aufgabe.

 

               

 

Inzwischen hatte Sven an Marks Rettungsweste eine Leine befestigt, die ihn beim Herausfallen sichern soll. Er befestigte nur an der Weste, nicht aber am Boot, weil er die Leine im Notfall selber festhalten wollte. Sie war ja lang genug 🙂 . Zum Glück ist alles gut gegangen. Mark erwischte den Fisch mit dem Haken, und der springt schon fast wie von alleine an Deck die Stufen hinauf.

 

Gummihammer und Bacardi standen bereit. Wer bringt es übers Herz den Fisch zu töten?

 

 

Mark, der noch halb im Wasser steht, hatte ja schon mit dem Mörder Haken zugestochen und die Vorarbeit geleistet.

 

Skipper Martin machte sich aus dem Staub, um auf der Flybridge nach dem Rechten zu sehen. Zwischendrin hatte sich dann auch noch eine kleine Wetter Turbulenz aufgetan, die von niemandem aber so richtig wahrgenommen wurde, denn wir hatten ja andere wichtige Dinge zu tun.

 

Also blieb nur noch Sven und der zögerte nicht lange, griff den Gummihammer und schlug zu, eins, zwei, drei…..fünf mal. Das Blut spritzte in alle Richtungen und der Fisch gab sich endlich geschlagen. Zum Schluss bekam er noch etwas Bacardi zwischen die Kiemen gekippt. Oder geht es vielleicht anders herum, erst den Bacardi hinter die Kiemen, und danach draufhauen? Wir wissen es nicht, aber unsere Methode war auf jeden Fall zielführend. Der Fisch gab auf. Schnell beseitigten wir die Kampf- und Schlacht Spuren, damit Skipper Martin sein Boot nicht in so einem blutverschmierten Zustand sehen musste. Das Zerlegemesser wurde geschärft, und die Nacharbeit mit Ausnehmen, Reinigen, Zerlegen aber vor allem Begutachten beginnt.

 

 

Gefangen hatten wir eine Goldmakrele, auch Mahi Mahi genannt, geschätzt 12 – 14 kg und sicherlich 1 – 1,20 m lang. Ein grandioser Fang und ein köstliches Abendessen.

 

 

Den Fisch zerlegten wir in 3 Teile, er muss eingeteilt werden. Wer weiß wann der Nächste anbeißt. Analysen nach dem Fang ergaben, dass es an der Badehose unseres Chefs gelegen haben muss, die er am Fangtag das erste mal trug.

 

Während der Zerlegearbeit zuckte die Angel erneut. Diesmal hatte sich eine Möwe verbissen. Wir konnten sie aber ins Leben zurück schicken. Mit 2 Fischen an einem Tag wären wir überfordert gewesen.

 

Der Parasailor wird am späten Nachmittag eingeholt, weil sich immer wieder lokale Schlechtwettergebiete auftaten, und der Wind zeitweise richtig auffrischt. Die Gefahr besteht, dass er zerfetzen könnte, wie es einem anderen Katamaran schon passierte, der das auf den Kapverden berichtete.

 

Nach getaner Arbeit, und anschließender berechtigter Kritik vom Skipper über die noch nicht sitzenden Handgriffe bei dieser Aktion, haben wir uns das Sundowner Bierchen verdient.

 

Die Goldmakrele wird mit Butter, Salz, Pfeffer, Knoblauch und Zitrone vorbereitet, und kommt, in Alufolie gewickelt, in den Backofen. Dazu gibt es Kartoffelecken, ebenfalls aus dem Backofen, und einen schönen mallorquinischen Weißwein. Es schmeckt köstlich, wir genießen jeden Bissen, und dürfen gar nicht darüber nachdenken, was dieser Fisch gekostet hat. Der Totalverlust einer Angel, Kauf einer Ersatzangel, mehrere Köder und Haken. Das summiert sich. Weitere Fänge würden den Schnitt senken ;-))), und wir arbeiten daran, Tag für Tag.

 

Mit gesetzter Genua, 18 kn Wind und 6 kn Speed übernehme ich meine Nachtwache, die zeitweise zwar ruppig, aber insgesamt doch ruhig verläuft. Die verbleibende Fahrstrecke sind nur noch 1.643 Nm (173 zurückgelegte Seemeilen in 24 Std.)

Die Berechnungen ergeben, dass wir Montag Bergfest haben, und die Hälfte der Strecke geschafft ist. Das wäre dann eine knappe Woche. Die Jungs wollen alle schnell in die Karibik, damit sie endlich mal ins Wasser hüpfen können.

 

Die weitere Nacht verlief ungemütlich. Der Wind hatte gedreht und die seitliche Welle verursachte wieder diese mega lauten Schläge, bei denen man das Gefühl hat, dass das Boot gleich auseinander bricht.  An Schlaf ist dabei nicht zu denken, und ich ziehe wieder um in den Salon. Auch nicht besser, aber wenigstens nicht ganz so laut. Außer Skipper Martin hat offenbar keiner so wirklich geschlafen.

 

 

Freitag, 16. November 2018

 

Nach einer schlaflosen Nacht übernehme ich bei 10 kn Wind, und einer verbleibenden Strecke von 1.592 Nm (156 Nm in den letzten 24 Std.). Die Welle kommt immer noch unangenehm von der Seite, und wir ändern den Kurs, und schalten die Motoren dazu. Auf der Agenda für heute steht

  • Mülltüten auswechseln
  • Parasailor setzen
  • Poker lernen / spielen
  • Fisch fangen
  • Workout

Die ersten beiden Aufgaben hatten wir erledigt, den Rest auf morgen verschoben.

 

Gegen Mittag wird die Genua gegen den Parasailor getauscht. Wieder das ganze Prozedere mit Leinen und Schoten am Segel und den richtigen Stellen am Boot entlang führen und befestigen. Das Mega große Segel, verpackt in einen Überstülper, aus der Segelkiste herausholen, die Motoren starten und Gas geben, das Boot richtig zum Wind drehen und dann das Segel so nach oben ziehen das sich nichts verdreht. Ganz schön unübersichtlich so ein großes Teil, das man manchmal erst später sieht, wenn Leinen verdreht befestigt wurden. Dann wieder alles runter, berichtigen und das ganze noch einmal. Die Handgriffe, außer bei unserem Skipper, sitzen noch nicht so richtig.

 

Wir haben eine neue Aufgabenteilung bei den Sundownern. Im Wechsel ist jeder mal dran einen Drink vorzubereiten, zu servieren und auch die entsprechende Musik dazu zu liefern. Heute bin ich dran, mit Campari Orange.

 

Zum Abendessen gibt es den gefangenen Fisch, als Steaks mit Knoblauch in der Pfanne angebraten und dazu Couscous und einen leckeren Weißwein. Uns geht es schon sehr gut, das muss man immer wieder betonen und sich bewusst machen.

 

Laut Wetterbericht soll das Wetter die nächsten 3 Tage beständig bleiben. Offensichtlich bezieht sich das nur auf die allgemeine Großwetterlage. Die zahlreichen kleinen Regengebiete, mit heftig böig auftretenden Winden, sind dabei nicht berücksichtigt. Diese treten vermehrt in der Nacht auf.

 

Ich übernehme meine Wache um 22 Uhr bei einem Wind von 12 kn und 3 kn Speed. 1.503 Nm liegen noch vor uns, 140 Nm haben wir in den letzten 24 STD geschafft. Bis 23:15 Uhr bleib alles einigermaßen ruhig, doch dann kam von hinten ein Skrall, das sind diese kleinen, lokalen Schlechtwetter Gebiete, der Wind aus allen Richtungen bringt. Die Windrichtung wechselte so schnell hin und her, das ich mit den Kurskorrekturen nicht mehr weiter kam, und Skipper Martin wecken musste. Das Segel brach förmlich vor mir zusammen, und da es empfindlich ist, könnte in einer solchen Situation schnell etwas damit passieren. Skipper Martin korrigierte alles bis das Segel wieder stand, und übernahm die Wache.

 

Da es insgesamt bei der Welle und dem Wind sehr laut und ungemütlich ist, schlafe ich nicht wirklich gut. Das wird dann am Tag nachgeholt.

 

 

Samstag, 17. November 2018

 

Nach einer kurzen Nacht übernehme ich meine nächste Wache um 8 Uhr, bei 20 kn Wind und 9 kn Speed. In den letzten 24 Std haben wir 166 Nm geschafft. Der Parasailor leistet gute Dienste. Im Vergleich zur Genua liegt das Boot mit dem Parasailor viel ruhiger auf dem Wasser.

 

Gegen 10 Uhr erscheinen Sven und Mark auf der Flybridge zum Workout. Die Yogamatten werden ausgebreitet (auf der SAMCAT gibt es wirklich alles, sogar Yogamatten), Sven sucht die Muke aus und gibt den Takt vor. Nach einigen Aufwärmübungen, die angesichts der Temperaturen nicht wirklich nötig sind, schließen sich Dehnübungen und Elemente aus dem Yoga an. Die Bewegung tut gut, denn Sport bleibt auf einer Segelyacht leider auf der Strecke. In meinen Wachen habe ich seit einigen Tagen kleine Übungen eingebaut, die man bei Wind und Welle noch händeln kann. Das ist gleichzeitig auch eine gute Maßnahme gegen aufkommende Müdigkeit.

 

Nach dem Workout, das richtig Spaß machte, gibt es ein Frühstück das die abgearbeiteten Kalorien gleich wieder aufspringen lässt, spezial Pfannkuchen, zubereitet von unserem Skipper.

 

Gestärkt von diesem köstlichen Frühstück, eröffne ich den Friseursalon auf der SAMCAT. Da soll mal einer sagen Männer sind nicht eitel. Als Mark feststellte das der Wind seine top gestylte Frisur zu sehr durcheinander wirbelt, hat er nur noch einen Gedanken: Friseur.

 

Auf den Kapverden wird es schon so etwas geben, denkt er. Das Thema begleitet und beschäftigt ihn ernsthaft, und wird immer wieder angesprochen. Sonntags hat alles geschlossen, Montag ist der Tag. Nachdem wir an einem geöffneten Friseursalon vorbeilaufen, schaut er mich an und fragt ob ich eigentlich auch Haare schneiden könne. Bei 3 Kinder kommt das gelegentlich mal vor das man Haare schneiden muss, und so baut er Vertrauen auf zu meinen Kenntnissen und Erfahrungen, lässt Friseur auf den Kapverden Friseur sein, und begibt sich in meine Hände mit der Küchenschere.

 

Details werden besprochen, gezeigt werden 4 cm, gemeint sind 2. Ich fange einfach mal an und taste mich heran. Er scheint mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Ich bin es auch, denn mit Küchenschere und Boots Bewegung war das kein leichtes Unterfangen.

 

 

Danach kommt wieder die tägliche, allgemeine Ruhephase, jeder sucht sich sein Plätzchen, liest, hört Musik oder döst einfach vor sich hin. Abgelöst von dem abendlichen Sundowner und anschließenden Abendessen vergehen so die Tage.

 

 

Ein Drittel der letzten Teilstrecke ist nun geschafft. Die Hälfte werden wir am Montag erreicht haben. Das ist ein Wegpunkte dem Alle entgegenfiebern, denn von da an liegt die Karibik gefühlt greifbar nahe. Und das „Bergfest“ soll natürlich entsprechend gefeiert werden.

 

Zum Abendessen gibt es Spaghetti mit der letzten vorgekochten Bolognese Sauce. Einige Vorräte werden langsam knapp, wie zum Beispiel Brot, und natürlich die frischen Sachen wie Obst und Gemüse. Für mich wird es nun hart, denn Brot und andere kohlenhydrathaltigen Lebensmittel gehören normalerweise nicht zu meinem Ernährungsplan. Ich fürchte ich werde mich umstellen müssen.

 

Es ist unglaublich wie viel hier an Bord gegessen wird, gefühlt auch häufig nur aus Langeweile, hier mal ein Keks, da noch mal schnell ein Brot geschmiert. Zum Glück sind die Süßigkeiten (Haribo) schon alle aufgebraucht. Die standen mitten auf dem Tisch an dem man täglich mehrmals vorbeiläuft. Hier zeigt sich wie stark man wirklich ist ;-))). Aber wie Skipper Martin sagt, „…..was weg ist, ist weg. Dann gibt es halt nichts mehr. Ich muss sowieso etwas abnehmen, damit ich eine gute Figur zu meiner Hochzeit habe.“ Sven wäre über ein paar Kilo weniger auch nicht unglücklich, und ich schlage dann gleich mal Intervall Fasten vor, 16 Stunden am Stück nichts essen, das ist auch gut für den Organismus. Erstaunlicherweise bekomme ich Bestätigung.

 

Wir haben uns auf 2 gemeinsame Mahlzeiten am Tag verständigt, Frühstück und Abendessen, wobei das Frühstück, durch die unterschiedlichen Schlafenszeiten jedes Einzelnen, bedingt durch die Wachen, manchmal auch ausfällt, und sich jeder selbst etwas zubereitet.

 

Die andere Alternative wäre etwas schneller zu segeln und früher anzukommen. Das würde das Problem auch lösen. Schauen wir mal was passiert und wie es läuft. Verhungern werden wir wohl nicht.

 

Meine Nachtwache verläuft ohne Aufregung. Der Wind weht beständig aus einer Richtung. Ich muss nur einmal den Kurs um ein paar Grad korrigieren, aber sonst ist nichts passiert. Auch schlafen kann ich in dieser Nacht gut, und werde sogar vor dem Wecker wach.

 

 

Sonntag, 18. November 2018

 

Auf der Bridge treffe ich Sven, der Wache hat, und Skipper Martin. Er wurde von einem Geräusch geweckt, was er bis dahin noch nicht kannte, und er kennt alle Geräusche an Bord. Es klopfte und zappelte auf seinem Kabinenboden. Ein fliegender Fisch war durch die geöffnete Fensterklappe zu ihm in die Kabine geflogen. Danach war er wach, entsorgte den Fisch und reinigte alles. Kein schönes Erlebnis so geweckt zu werden. Was lernen wir daraus? Fensterklappen nicht so weit öffnen, um unerwünschte Besucher abzuhalten.

 

 

Seit Tagen ist uns kein anderes Boot begegnet. Wir wundern uns wo die ganzen Segler sind, die eigentlich den selben Kurs segeln müssten wie wir.

 

Wind und Welle sind am Morgen relativ stark, und machen das morgendliche Workout anspruchsvoller. Eine halbe Stunde hüpfen und springen Mark und ich unter Svens Anleitung, der natürlich auch mitmacht. Martin verschläft wieder alles. Er ist ein richtiges Schlafwunder und hat ein Schlafbedarf wie ein Kind. Vielleicht liegt es auch an der vielen frischen Luft, denn wir schlafen alle mehr als Zuhause.

 

Der Tag verläuft ruhig. Zum Sundowner gibt es Martini. Abendessen fällt aus, wir arbeiten an unserer Karibik Figur.

 

Die Nachtwache übernehme ich wieder mit 18 kn Wind und einer Geschwindigkeit von 9 kn. Die letzten Stunden war die Welle angenehmer, das scheint jetzt vorbei zu sein. Es liegen nur noch 1145 Nm vor uns, und in den letzten 24 Std haben wir 175 Nm geschafft. Der Parasailor ist unser ständiger Begleiter. Morgen früh werden wir ihn runterholen um alle Schoten zu überprüfen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

*