Abschied von Arnold und Elke / Vorbereitungen zur zweiten Etappe / Aufnahme der neuen Crewmitglieder (1. bis 5. November 2018

 

Atlantiküberquerung – das Abenteuer geht weiter……

 

Arnold ist am 1. November 2018 von Bord gegangen, und ich berichte weiter. Mit seiner besonnen, trockenen schwäbischen Art, seinem Witz, seiner guten Laune (auch wenn die Fische nicht so beißen wollten wie gewünscht) und seinem schwäbischen Dialekt, fehlt er uns schon nach kurzer Zeit.

 

 

Ich habe mir mit Elke für den nächsten Tag einen Mietwagen organisiert. Wir wollen den Norden Fuerteventuras erkunden. Erstes angesteuertes Ziel ist das kleine, charmante Örtchen El Cotillo, wo wir in einem hervorragendem Fischrestaurant, direkt am Wasser, zu Mittag gegessen haben. Das war auch mehr oder weniger das einzige Highlight, neben dem Kite- und Surfstrand im Nordosten, denn wir konnten dieser kargen Insel nicht viel abgewinnen.

 

 

Am Abend sind Martin aus Köln, und Sven aus Düsseldorf angekommen. Es war geplant an Land Essen zu gehen, aber Martin, unser Skipper, wollte die SAMCAT nicht verlassen. Der Wind war stark aufgefrischt, und der Anker könnte sich lösen. Somit hatten wir spanische kalte Platte mit Brot, Käse, Schinken, Oliven, Bier und Wein an Bord, und lernten uns gegenseitig langsam kennen.

 

Da wir nun 2 Martins an Bord haben, ist das Auseinanderhalten in meinem Bericht nicht ganz so einfach. Martin, der Skipper, heißt nun Skipper Martin, und Martin aus Köln bleibt Martin.

 

Ich kannte vorher weder Skipper Martin, noch einen einzigen Mitreisenden. Es bleibt immer spannend in solchen Situationen. Stimmt die Chemie, und wie kommt man auf der gemeinsamen Reise miteinander aus? Der erste Teil der Reise von Mallorca nach Fuerteventura lag hinter uns, und die Mannschaft hat super gut harmoniert. In dieser Zusammensetzung hätten wir noch viele weitere Tage verbringen können. Aber jede Reise geht einmal zu Ende, und so hat uns zuerst Arnold, und 2 Tage später Elke verlassen müssen. Ich darf noch länger bleiben, und freue mich auf die neue Mannschaft und die nächsten Reiseziele.

 

Am Samstag wird dann Elke verabschiedet. Sie war für mich eine große Stütze in dieser dominierenden Männerwelt. Elke hatte schon einmal einen Törn auf der SAMCAT miterlebt, und wusste schon so manches. Sie hat mich in einige Details und Besonderheiten eingewiesen. Vor allem wusste sie wie die Männerwelt an Bord so tickt. Ihre Erläuterungen waren und sind sehr hilfreich.

 

Am Samstag wurde der Großeinkauf für die Überfahrt nach Barbados organisiert. Das war Martins und meine Aufgabe. Der kleine Fiat 500, unser Mietwagen, wurde mehrmals bis unter das Dach beladen, und der Proviant mit dem Dingi an Bord gebracht und sicher verstaut.

 

Am Nachmittag haben wir Elke verabschiedet. Ich werde sie vermissen.

 

 

Bei der technischen Überprüfung der SAMCAT hatte Skipper Martin Wasser am Auspuff des Generators entdeckt. Er hat das irgendwie repariert, geklebt, umwickelt, wieder geklebt, und sagte dann schließlich jetzt sei alles gut, und so wird es halten. Sonst hatte er keine größere Schäden am Boot feststellen können. Sein Optimismus und seine positive Lebenseinstellung sind ansteckend. Er lacht viel und ist gut drauf. Das ist eine gute Voraussetzung für eine lockere, entspannte Stimmung an Bord, und jeder Einzelne kann sich schnell eingewöhnen, vertraut machen und wohlfühlen.

 

 

Sonntag kam unser letztes Crewmitglied Mark an. Am Abend gingen wir ein letztes Mal an Land spanische Tapas essen, und haben in den 38. Geburtstag von Martin rein gefeiert. Das sogar gleich zweimal, das erste Mal nach deutscher Zeit, und das zweite Mal eine Stunde später, nach spanischer Zeit. Alkohol floss reichlich, was am nächsten Morgen bei jedem Einzelnen deutlich an den Gesichtszügen abzulesen war.

 

Nach dem Frühstück hat Skipper Martin ausklariert, gegen 13 Uhr wurde der Anker eingeholt, und es geht endlich los Richtung Kapverden. In Fuerteventura lagen wir nun 6 Tage vor Anker. Einen Liegeplatz im Hafen von Puerto del Rosario gab es für uns nicht. Dieser ist nur ausgelegt für kleine Fischerboote. Gegenüberliegend befindet sich der Industriehafen, in dem die Fähre anlegt und Containerschiffe be- und entladen werden. Zwischen diesen beiden Hafenteilen gibt es noch eine große Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe. Während unsere Liegezeit legte die „Aida Cara“ an, und machte am nächsten Tag Platz für „Mein Schiff 2“.

 

943 Nm liegen nun bis zum nächsten Landgang vor uns. Skipper Martin hat das mit 5 bis 6 Tagen berechnet, sodaß wir Samstag / Sonntag in Mindelo ankommen müssten. Wir lassen uns überraschen und werden sehen.

 

Nach ca einer halben Stunde Fahrt setzten wir die Segel (Großsegel und Genua) und dümpeln gemächlich mit 5 Knoten Fahrt bei 10 kn Wind aus Nordost und einem Kurs von 141 Grad in Richtung Kapverden vor uns hin.  Wir befinden uns noch in der Landabdeckung von Fuerteventura und haben dieserhalb so wenig Wind. Das soll sich aber in den nächsten Stunden ändern.

 

Die Angeln sind mit den neu gekauften Ködern vorbereitet und ausgeworfen, und alle hoffen auf den großen Fang. Der bleibt leider auch heute aus, und es gibt Hähnchenbrust mit geschmortem Gemüse und Reis zum Abendessen.

 

Wir erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang ohne Sundowner. Die Folgen vom gestrigen Abend  lassen den Wunsch nach Alkohol gar nicht erst aufkommen.

 

1.Nachtwache (5. Nov 2018  /  22:00 bis 24:00 Uhr)

 

Meine Nachtwache beginnt um 22 Uhr und Ich löse Sven ab. Ich übernehme bei 12 kn Wind und einer Fahrt von 6 kn. Bis Mindelo sind es noch 893 Nm. Wir segeln einen Kurs von 230 Grad. Die See ist ruhig, und auf dem Plotter sind kaum andere Schiffe zu sehen. Queen Elizabeth läuft hinter uns her, hat aber dann ihren Kurs nach Gran Canaria geändert. Es sind noch die Lichter vom Süden der Insel Fuerteventuras zu erkennen. Der Mond ist in der Nacht nicht zu sehen. Dafür sieht der Sternenhimel gigantisch aus. Skipper Martin löst mich um 0:00 Uhr ab, und ich freue mich auf mein Bett. Die Nacht wird mehrfach unterbrochen durch den Alarm des Funkgerätes. Es ist Kanal 16 eingeschaltet, der Notrufkanal. Wenn eine Meldung durchgegeben wird, startet dies mit einem Alarmsignal. Danach sind eigentlich alle an Bord wach. Meistens kann man die Meldungen gar nicht verstehen. Entweder ist die Verbindung zu schlecht, oder das Englisch des Funkers mit dem jeweiligen Landesdialek hört sich wie eine komplett unbekannte Sprache an. Ich versuche wieder einzuschlafen, denn die nächste Wache steht für mich um 8:00 Uhr an.

 

Dienstag, 6. November 2018

 

Pünktlich um 8 Uhr löse ich Sven ab und übernehme die Wache. Kaffee ist schon gekocht. Der Wind ließ in der Nacht nach, sodass die Motoren zugeschaltet wurden. Bei 11 Knoten Wind aus NNO bewegen wir uns nun unter Motor, mit gesetztem Großsegel und Genua, einer Geschwindigkeit von 6-7 Knoten, und einem Kurs von 225 weiter auf unser nächstes Zwischenziel Mindelo zu. Bis dahin sind es noch 838 Nm.

 

Gegen 11 Uhr holen wir Großsegel und Genua rein, und der Parasailor von IS TEC wird gesetzt. Es ist ein gigantisches Segel mit einer Fläche von 280 m2. Das Besondere daran sind die „Luftschlitze“ in der Mitte des Segels. Der Wind kommt von achtern, und schiebt uns mit dem neu gesetzten Segel beständig mit 6-8 kn voran. Das Wetter wird besser, die Sonne zeigt sich und es herrscht eine angenehme Temperatur von 25 Grad, sodass ich mich auf das Vorschiff lege, Musik höre und ein bisschen vor mich hindöse. So stelle ich mir die Überfahrt über den Atlantik vor, und Skipper Martin bestätigt das und stellt es sich auch genau so vor.

 

Die Müdigkeit bei den Neuankömmlingen ist noch bestimmend. Es wird viel geschlafen um Defizite aufzuholen, oder um sich an die Nachtwachen zu gewöhnen. Vielleicht ist es auch die frische Seeluft, die alle in die Müdigkeit abdriften lässt. Inzwischen sind wir auch nicht mehr mit der Welt verbunden. Handy, E-Mail und Internet sind nicht mehr verfügbar und das hilft beim Entschleunigen und um in den Relax Modus umzuschalten.

 

Den ersten Sundowner auf dem Törn hat Martin komplett verpennt. Es gab eine gute Mischung Gin Tonic mit Eis und einer Gurkenscheibe, gemixt, angerichtet und serviert von unserem Skipper. Man wird schon ein wenig demütig auf so einem tollen Boot, bei dieser Kulisse so etwas Schönes erleben zu dürfen. Wir genießen den Drink bei untergehender Sonne und freuen uns über diesen wunderbaren Tag.

 

 

Nach dem Sundowner werden die kulinarischen Wünsche erfüllt. Für die Jungs gibt es Hamburger und griechischen Salat. Ich esse die Gemüsereste vom Vorabend. Der bestellte Fisch hat leider wieder nicht den Weg zum Angelhaken gefunden. Wir geben nicht auf, und versuchen es morgen weiter.

 

2.Nachtwache (6. Nov. 2018 / 22:00 bis 24:00 Uhr)

 

Ich übernehme wieder von Sven. Wir segeln immer noch mit dem Parasailor, bei 12-14 kn Wind von achtern und einer Geschwindigkeit von 6-7 kn. Bis Mindelo sind es noch 755 Nm. Kurs 230 Grad ist eingestellt. Das heißt, wir haben in den letzten 24 Std 138 Seemeilen zurückgelegt. Damit kann man zufrieden sein, und so entspannt könnte es weitergehen. Wir befinden uns westlich der Sahara, und die Nachtwachen fühlen sich schon wärmer an. Ein gigantischer Sternenhimmel begleitet mich durch die Nacht.

 

Mittwoch, 7. November 2018

 

Mein Tag startet wieder mit einer Wache. Wind und Welle sind stärker geworden. Der Parasailor war die ganze Nacht im Einsatz und hat uns gut voran gebracht. Der Wind hat ein wenig gedreht und kommt wieder mehr aus NNO. Der Parasailor reagiert sofort, und wir müssen neu einstellen. Skipper Martin ist ganz angetan von dem neuen Teil, und lässt ihn, trotz höherer Welle und Wind bis zu 20 kn in Böen, weiter für uns arbeiten. Beim Frühstück wird wieder von dem noch nicht gefangenem Fisch geträumt, den wir heute Abend essen wollen. Die Angeln sind schon ausgeworfen und wir sind guter Dinge das es heute endlich klappt. Inzwischen hätten wir auch schon ein bisschen Plaz im Kühl- und Gefrierschrank, falls der Fang groß ausfallen sollte.

 

Bei konstant 18-20 kn Wind und lt. Wetterbericht weiter zunehmend Wind, entscheidet Skipper Martin den Parasailor reinzuholen, und Großsegel und Genua zu setzen. Alle müssen anpacken, und jeder hat dabei seine Aufgabe zugeteilt bekommen. Ich bin mit Mark oben auf der Bridge. Die anderen 3 kämpfen unten auf dem Vorschiff  mit dem gigantischen Segel, dem Wind und der Welle. Nur gut, dass wir das letzte Nacht nicht machen mussten. Die Rettungswesten hatte sich jeder dafür schon zurechtgelegt und individuell angepasst. Der weitere Tag verlief entspannt, endete wieder mit einem schönen Sundowner und Skipper Martins leckeren Thunfisch Kapern Spaghetti.

 

3.Nachtwache (7. Nov. 2018 / 22:00 bis 24:00 Uhr)

 

Ich übernehme wieder von Sven um 22 Uhr. Bis Mindelo sind es noch 580 Nm. Das heißt wir haben in den letzten 24 Stunden 175 Nm zurückgelegt. Momentan segeln wir mit einer Geschwindigkeit von 8-10 kn, bei einem Wind von 16-18 kn. Skipper Martin hat eine neue Funktion an seiner Navigations System entdeckt, die Wind Navigation, und es wird ausprobiert. Das bedeutet, der Kurs variiert leicht, dass der Wind bei der Segelstellung optimal ausgenutzt wird. So können wir mehr Speed generieren. Da wir vorherrschend Wind von achtern haben, fahren wir die Schmetterlings Segelstellung. Das heißt, die Genua öffnet sich zu einer Seite, und das Großsegel öffnet sich zur gegenüberliegenden Seite, und wir gleiten wie ein Schmetterling dahin :-))))

 

Donnerstag, 8. November 2018

 

Heute ist der 4. Tag auf See. Es stellt sich eine gewisse Routine bei den Tag-und Nachtabläufen ein. Der Wind hat leicht abgenommen und liegt nun bei 15-17 kn. Wir kommen weiterhin gut mit einer Geschwindigkeit von 6-8 kn voran, und es sind noch 505 Nm bis zu den Kapverden. Die Navigation muss Skipper Martin in der Nacht verändert haben, denn wir segeln nun nicht mehr nach Wind Navigation, sondern befinden uns im Auto Pilot, und der Kurs wird mit 229 Grad konstant gehalten. Die Wind Navigation hatte uns zu weit vom vorgegebenen Kurs abgebracht, und das wollen wir ja auch nicht. Das errechnete Ankunftsdatum könnte bei Sonntag bleiben.

 

Heute Nacht ist ein fliegender Fisch an Bord gelandet. Es gibt also doch Fische im Atlantik. Vielleicht versuchen es die Jungs mal mit einem natürlichen Köder und locken so den heiß erwartenden Fang an. Inzwischen sind auch schon wieder einige Köder verloren gegangen, ein teures Unterfangen diese Angelei.

Nachmittags kreisen Möwen um unser Boot herum, und konzentrieren sich auf unseren ausgeworfenen Angelköder. Wir vermuten einen Fisch an der Leine und schauen nach. Leider nichts, Fische scheinen intelligenter als Möwen zu sein. Wieder ein Tag ohne Fang. So gibt es Fleisch zum Abendessen, Spaghetti mit Bolognese Sauce, die Sven in Fuerteventura bereits vorgekocht hatte.

 

Inzwischen hat der Wind zugenommenen und liegt bei 25 kn, immer noch von achtern. Das Großsegel ist komplett draußen, ebenso die Genua, in Schmetterlingsstellung. Wir kommen mit 8-10 kn gut voran. Ein Reff können wir nun nicht mehr setzen. Dafür ist die Welle zu hoch und es würde uns ganz schön durcheinander schütteln, wenn wir das Boot in den Wind drehen würden. Also belassen wir alles so wie es ist, und hoffen das der Wind nicht noch stärker wird. Sven und Martin halten zusammen Wache. Das macht Sinn bei diesem Wetter, zumindest bis wir uns alle an diese Umstände gewöhnt haben, und entspannter die Bewegungen des Bootes und der Geräusche einschätzen können.

 

Mir bleiben noch 2 Std bis zu meiner Wache und ich lege mich hin und versuche zu schlafen. Keine Chance, die Geräuschkulisse in meiner Kabine erschlägt mich. Die Wellen schlagen gegen den Rumpf, das hört sich gefährlich an. Das Wasser schießt vorbei, und man weiß nicht ob es noch außerhalb ist, oder sich schon bis ins Bootsinnere durchgearbeitet hat. Das ganze Boot vibriert bei jedem dieser Schläge, und man hofft, dass das Material dieser Schlacht standhält. Da ich das nun schon zum zweiten Mal auf der SAMCAT erlebe, habe ich mehr Vertrauen zu dem Boot, und es fühlt sich nicht mehr so bedrohlich an wie am Anfang unserer Reise.

 

4.Nachtwache (8. Nov 2018 / 22:00 bis 24:00 Uhr)

 

390 Nm trennen uns noch zum nächsten Zielpunkt. Wir übertreffen unseren Rekord der letzten 24 Stunden mit 15 Nm, und haben insgesamt 190 Nm geschafft. Das ist ein Schnitt von knapp 8 kn. Der Wind pendelt sich zwischen 20 und 25 Knoten ein, und es bleibt ungemütlich. Wenn das Boot auf einer Welle surft und danach abfährt, entstehen abenteuerliche Geschwindigkeiten. Skipper Martin erzählte, das er mit 21 kn Speed bisher das Schnellste auf der SAMCAT erlebt hat. Bei unserem ersten Törnabschnitt (Malle – Fuerte) hatten wir 18,6 kn in Spitze, und diese Nacht wurden es 15,6 kn Speed. Dabei noch die Dunkelheit der Nacht, kein Vollmond …..nicht ganz so gemütlich und zeitweise etwas unheimlich. Aber die SAMCAT steckt alles locker und sicher weg, und das Vertrauen in das Boot und das Material wird bei mir immer größer.

 

Von 22 bis kurz nach 23 Uhr lief alles „ruhig“. Skipper Martin hatte sich zum Schlafen auf der Bridge eingerichtet, was ich bei den Wetterbedingungen als sehr beruhigend empfand. Kurz nach 23 Uhr musste ich ihn dann leider wecken, weil sich plötzlich, in unmittelbarer Nähe (ca. 2 Nm) ein Boot auf dem Plotter zeigte, das vorher nicht zu sehen war, auch nicht auf dem Radar. Zunächst wurde nicht angezeigt um was für ein Boot es sich handelt, später konnten wir ablesen das es eine 18 m Segelyacht ist. Ich schaute rechts und links, konnte aber nichts erkennen. Martin zunächst auch nicht. Wir vermuteten ein unbeleuchtetes Boot. Plötzlich tauchte ein Lichtstrahl auf, der aber in der nächsten Sekunde wieder von der Welle verschluckt wurde. Die Wellen erreichten eine Höhe von 3-4 Metern. Offensichtlich hatte der Segler uns auch entdeckt, denn er funkte uns an, um sich zu vergewissern, ob wir ihn gesehen haben, und abzustimmen wie wir einander passieren. Wir segelten beide ungefähr in die gleiche Richtung, wir allerdings mit höherer Geschwindigkeit. Er änderte leicht seinen Kurs und wir zogen an ihm vorbei.

 

Das nächste Hindernis war ein 300 m langer Frachter, mit dem wir uns auf Kollisionskurs befanden. Der Frachter kam leicht Backbord auf uns zu. Wir diskutierten was zu tun ist. Der Frachter machte keine Anstalten seinen Kurs zu ändern, also müssten wir uns etwas Sinnvolles einfallen lassen, denn wir sind Ausweichpflichtig gegenüber der Berufsschifffahrt.

 

Skipper Martin startete die Motoren, und änderte den Kurs ca 60 Grad nach Steuerbord ab. Das Großsegel knallte von Steuerbord nach Backbord, es rumste und rappelte alles an Bord. Wer jetzt noch im Bett liegt und schlafen kann, ist wirklich mit einem guten Schlaf gesegnet. Mit zugeschalteten Motoren zogen wir vor dem Frachter vorbei. Als wir uns in einem sicheren Abstand fühlten, setzten wir wieder unsere Kurslinie, schalteten die Motoren ab, brachten das Groß wieder auf die Steuerbordseite, in die Schmetterlings Ausgangsstellung mit der Genua, und kehrten zur Routine zurück. Inzwischen war es 0:30 Uhr, meine Wache war vorüber und Skipper Martin schickte mich ins Bett.

 

Glücklich und müde fiel ich in mein Bett, doch an Schlaf war nicht zu denken. Die Schläge der Wellen, verbunden mit dieser unglaublichen Lärmkulisse, wie schon vorher beschrieben, hielten mich vom Schlaf ab. Ich stopfte mir Ohropax in die Ohren, doch auch das half nicht. Also schnappte ich mir meine Bettdecke und suchte mir ein Plätzchen im Salon. Dort ist es erheblich ruhiger, und wesentlich leiser und ich bekam etwas Schlaf.

 

Freitag, 9. November 2018

 

305 Nm noch bis Mindelo. Der nächste Rekord; 200 Nm in 24 Stunden. Bald können wir uns zur Regatta anmelden ;-).

 

An den Wetter- und Windverhältnissen hat sich nichts Wesentliches geändert. Es bleibt so ungemütlich, mit der Welle von hinten. Aber wenigstens kommen wir voran und dümpeln nicht so vor uns hin. Das Bedrohliche der Nacht, nichts sehen zu können, ist für die nächsten Stunden genommen. Fünf fliegende Fische haben ihr Leben gegeben, und sind an Deck gelandet. Sie sind als Köder für unsere Angel ungeeignet, und werden zurück ins Meer geworfen. Delfine sind bis jetzt noch keine aufgetaucht. Das ist immer so ein schönes Schauspiel wenn sie im Schwarm um das Boot tanzen und uns eine Weile begleiten. Die Sonne fehlt noch und der Tag beginnt diesig. Bis zum Sundowner wird sich das hoffentlich korrigiert haben.

 

Der Tag verlief ereignislos. Wieder kein Fisch an der Angel. Irgend etwas machen wir falsch. Eine große Bohrinsel wird von einem Schlepper durch den Atlantik gezogen und passiert uns.

 

Es wird überlegt wie wir aus der SAMCAT noch ein paar Zehntel Knoten Speed rausholen können, um morgen Abend noch im hellen in Mindelo anlegen zu können. Skipper Martin und Mark starten einen Versuch und holen, zusätzlich zur Genua, die Sturmfock raus auf die gegenüberliegende Seite der Genua. Das sieht ein bisschen so aus wie ein selbstgebastelter Spinnaker. Das Boot liegt gefühlt etwas ruhiger im Wasser, wirklich mehr Speed bekommen wir aber nicht. Das Großsegel verdeckt die Fläche der Sturmfock zu sehr, und die Belastung auf den Mast könnte zu stark werden. Also wieder alles zurück, aber

einen Versuch war es wert.

 

 

Für unser Sundowner Plätzchen am Vorschiff ist es heute zu windig, und wir verlagern dies auf die „flybridge“ und genießen einen Martini Bianco on the Rocks, bis Mark Seemannslieder von Freddy Quinn von seiner Playlist raushaut. Wir fragen uns was er wohl vorher schon alles getrunken haben mag.

 

 

Nach dem Abendessen machte es einen größeren Knall. Die Schot, mit der der Baum an einer Klampe befestigt ist, damit er nicht hin und her schlägt, war gerissen. Für 4 Tonnen Belastung war diese Leine ausgelegt. Unglaublich welche Kräfte da wirken. Der Druck auf das Segel bei dem Wind war dann doch zu stark. Wir reparieren, und es geht weiter. Das Ganze wiederholt sich später noch einmal.

 

Unsere voraussichtliche Ankunftszeit in Mindelo wird Samstagabend zwischen 18 und 23 Uhr sein. So errechnet es das Navi. Inzwischen sind wir in die nächste Zeitzone gerutscht, und sind -1 Std zu den Kanaren, und -2 Std zu Deutschland. Jedes Handy, jede Uhr an Bord, zeigt eine andere Zeit an. Wir haben Auswahl, beschließen aber bis zu den Kapverden in der Zeitzone der Kanaren weiter zu leben. Die Uhrzeit an den Bordinstrumenten stellt sich nicht automatisch um. Das muss manuell eingestellt werden. Letztendlich ist es vollkommen egal welche Uhrzeit genau ist. Inzwischen leben wir zeitlos, richten uns nach Tag und Nacht, hell und dunkel, Frühstück und Abendessen, vor allem aber nach Sundowner Zeiten. Dafür braucht man keine Uhrzeit, einfach nur einen schönen Platz an Bord, die untergehende Sonne und einen guten Drink in der Hand.

 

5.Nachtwache. (9. Nov 2018 / 22:00 bis 24:00 Uhr)

 

Heute ist meine letzte Nachtwache vor Mindelo. Der Wind hat nicht nachgelassen, und bläst, bzw peitscht uns zeitweise ziemlich ruppig voran. Ich bin froh mal wieder eine Nacht in Ruhe, ohne diese gewaltige Geräuschkulisse und den ganzen Schiffsbewegungen, durchschlafen zu können.

Bis Mindelo sind es nun noch 185 Nm. Wieder haben wir eine Strecke von 205 Nm In 24 Std zurückgelegt. Ein Rekord jagt den nächsten.

 

Der Wind ist in Böen ziemlich heftig mit 25 bis 30 kn, und das Boot gleitet in Spitze mit bis zu 17 kn über die Welle. Natürlich wieder in meiner Wache, aber Skipper Martin hat sich schon zum Schlafen auf der Bridge eingerichtet, das beruhigt. Ich verlängere meine Wachzeit und lasse ihn 45 min länger schlafen, als Dank 🙂

 

Samstag, 10. November 2018

 

207 Nm haben wir in den letzten 24 Stunden geschafft, und unser Zwischenziel ist schon fühlbar nah. Der Wind, mit rund 25 Knoten und die Welle, die das Boot in einem Schlingerkurs surfen lässt, ist immer noch unbequem. Lt Wetterbericht, den Skipper Martin immer 2 mal am Tag abfragt, soll das bis 14 Uhr auch noch so bleiben. Unter dem Projekt „Jugend forscht“ werden weiter Optimierungsvorschläge von Martin (mit 38 Jahren der Jüngste an Bord) zur Sicherung der Segelstellung ausprobiert. Aber die Welle trifft uns so blöd, das wir die Motoren zuschalten, das Großsegel reinholen und nur mit der Genua die letzten 30 Seemeilen bewältigen.

 

Delfine tauchen auf, und bereiten uns mit ihrem Synchronschwimmen eine schöne Begrüßung auf den Kapverden. Campari Orange als Sundowner rundet diesen unbeschreiblich schönen Moment ab. Inzwischen haben wir auch wieder Handyempfang, Land kann also nicht mehr weit sein. Sehen können wir es noch nicht, es ist sehr diesig. Leider haben wir es nicht ganz im Hellen geschafft. Vorbereitungen werden getroffen. Alle sind auf der Bridge und halten in der Dunkelheit Ausschau nach möglichen Hindernissen. Es ist ganz still, keiner spricht. Skipper Martin ist sehr konzentriert und steuert seine SAMCAT souverän und sicher in die Bucht von Mindelo. Er kennt die Bucht und den Hafen und weiß das hier einige Wracks einfach im Weg rumliegen.

 

Von unserem Wettermann an Land, dem blinden Passagier Jochen, meinem Vater, erfahren wir vor dem Einlaufen in Mindelo schon, dass der Hafen, sowie die Ankerbucht, sehr voll ist. Jochen, ein leidenschaftlicher Segler, begleitet unsere Reise von seinem Schreibtisch aus. Gefühlt segelt er mit, und er versorgt uns mit Wetterinformationen, falls sich etwas unvorhergesehenes auftut. Auch das gibt ein sicheres Gefühl, selbst wenn wir dann nicht mehr viel machen können. Augen zu, oder besser auf, und durch.

 

Langsam tasten wir uns in die Ankerbucht vor, umfahren Wracks, beleuchtete und unbeleuchtete Boote, entscheiden uns für einen Platz, und ankern.

 

Es ist ein ganz besonderes Gefühl nach so vielen Tagen Wasser und Himmel (eigentlich waren es ja nur 5 Tage), wieder Land, Lichter, Leben und andere Menschen zu sehen.

 

Wir essen an Bord zu Abend. Es gibt Rinder Geschnetzeltes in Rotweinsauce, zubereitet von Mark, mit Reis und Gemüse. Dazu einen leckeren Rotwein aus Mallorca. Danach fallen alle müde ins Bett, und jeder freut sich keine Nachtwache schieben zu müssen. Bis auf unseren Skipper schlafen alle gut und lange. Skipper Martin hat keine entspannte Nacht, weil der Wind mit 25 – 30 kn ziemlich stark ist, und unser Anker, oder auch die Anker der umliegenden Boote, sich lösen könnten. So steht er nachts öfters auf um nachzusehen ob noch alles in Ordnung ist.

 

Sonntag, 11. November 2018

 

Nach dem Frühstück fährt Skipper Martin mit dem Dingi in den Hafen. Einklarieren können wir sonntags nicht, das geht erst Montag wieder. Ein Liegeplatz wird uns angeboten, den wir ab morgen nehmen wollen.

 

Mark, Sven, Martin und ich nutzen den freien Tag um uns einen Überblick über Mindelo zu verschaffen. Fast alles ist am Sonntag geschlossen, so laufen wir einfach durch die Gassen und Straßen und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Wir landen in einem Museum mit einer Ausstellung über kapverdische und afrikanische Kunst. Klein, überschaubar und schön.

 

An der Hafenbar sitzt schon unser Skipper bei einem Bier, und wir vergrößern die Runde und sorgen für Umsatz. Es herrscht reges Treiben, viele Segler, alle auf dem Sprung über den den Atlantik, kommen zum Essen und Trinken. Mark fühlt sich wie im Basiscamp vor einer Himalaya Expedition.

 

Zurück an Bord, nach ein paar Bierchen in der Hafenbar, fühlt sich Martin wie im Karneval in Köln. Heute ist der 11.11. und plötzlich dudeln Kölsche Karnevalslieder aus den Lautsprechern. Das hat offensichtlich dazu geführt, dass plötzlich Mark und Sven ins Wasser gesprungen sind.

 

Der Eine im Karneval, der Andere auf Himalaya Expedition, Schwimm- und Tauchgänge bei 30 kn Wind und sichtbarer, starker Strömung. Schon merkwürdig was alles so passiert ;-)))

 

Als wir nach Karneval und Schwimmeinlage wieder in den Ibiza chillout sound abgetaucht sind, hat Martin dann endlich seine Musikinstrumente ausgepackt, und gezeigt was er sonst noch so alles drauf hat.

              

              

             

             

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