Es war soweit. Die Überfahrt von Smir nach Ibiza stand uns bevor. Die Drohnen wurden wieder aus ihrer Haft entlassen und die gesamte Besatzung machte sich fit. Nun hieß es Leinen los. Die Fahrt sollte nicht ganz einfach werden. Der Sturm in Smir plagte uns immer noch. Doch mit einem großen Schluck Mascieira baten wir Poseidon und alle anderen Götter dieser Welt um eine friedliche und besonders sanfte Überfahrt. Voller Vorfreude aber auch mit einem Gefühl des Respekts vor Wind und Wellen verließen wir den Hafen und machten uns auf den Weg. Mit dem Hafengang glitten wir langsam auf den kleinen Schwell der für uns Gutes Verheißen sollte.
Während ich dabei war und die Tampen und die Fender verstaute riss es mich plötzlich und widererwartend mit einem starken Ruck in Richtung geöffneter Backskiste. In letzter Sekunde regierten meine Reflexe und ich konnte mich vor schlimmerem fernhalten.
Auf einmal entnahm ich einen lauten Schrei aus dem Führerhaus. Was hat das alles zu bedeuten? War mein erster Gedanke. Doch dann war mir schnell klar, wir sind aufgelaufen.
Martin reagierte sofort und setzte in Windeseile den Rückwärtsgang ein und die SAMCAT bewegte sich zurück in das sichere tiefe Hafenbecken. Der Übeltäter war eine Sandbank. Kommen wir da überhaupt noch raus? Hatten uns die Götter der Meere tatsächlich jetzt schon verlassen? Haben wir sie falsch besänftigt oder haben sie uns einfach nur falsch verstanden? Egal, darüber konnten wir uns jetzt keine weiteren Gedanken machen. Aus dem Augenwinkel sah ich wie uns zwei, am Ufer wild gestikulierende, Marokkaner etwas in ihrer Landessprache zuriefen. Doch wir verstanden kein Wort. Was wollten sie uns mitteilen? Einige Minuten und wilde Handbewegungen später war uns klar was sie uns sagen wollten. Wir sollten die Betonung weiter Steuerbord passieren. Also steuerten wir die SAMCAT langsam und mit größter Vorsicht mit mehr Abstand an der Betonung vorbei. Wir hatten es geschafft. Mit noch etwas wackligen Knien aber einem Lächeln im Gesicht setzen wir unsere weitere Fahrt fort.
Die Fahrt verlangte uns, wie schon erwartet, einiges ab. Und es war allerhöchste Vorsicht und Konzentration geboten. Denn die Berufsschiffsfahrt hat in jedem Fall immer Vorfahrt.
Doch die Götter Poseidon und Aiolos meinten es mehr als nur gut mit uns.
Poseidon höchstpersönlich stieß uns mit seinem Dreizack unter das Boot, damit Aiolos seinen Wind in unsere Schmetterlingsbeseglung blasen konnte. Wir flogen mit 18,9 Knoten über das Mittelmeer und landeten gesund und zufrieden auf Ibiza. Wo uns Eos, die Göttin der Morgenröte mit einem wunderschönen rot willkommen hieß. Nie wieder werden wir vergessen den Göttern der Meere und Winde zu huldigen.

               

               

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