Arnolds Tagebucheintrag: Teil 2.

 

Gegen 9 Uhr wachte ich wieder auf. Kaffeeduft lag im Salon. Elke hatte bereits Kaffee gekocht. Fein gemahlener Kaffee in der Glaskanne wird mit heißem Wasser aufgegossen, so bekommt der Kaffee ein besonders intensives Aroma. Jetzt wieder die Angel auslegen. Wir wollen ja zum Abendessen Fisch zubereiten. Ich helfe Elke beim decken des Frühstückstisches. Heute gibt es gekochtes Ei, Brot, Marmelade, Honig, Nutella etwas Würstchen, Käse, alles was zu einem guten Frühstück dazu gehört. Wir sitzen gerade und unterhalten uns, plötzlich macht es an der Angel einen Schlag. Als ich mich umdrehte und nach der Angel sehen wollte flog sie auch schon mitsamt dem auf der Reling angeschraubten Halter über Bord. Bohhh, ehhhh, man was war das? Wir vermuteten einen dicken Fisch der sich an unserem Köder festgebissen hat. Der Halter hatte ich im Vorfeld schon einmal als nicht sehr vertrauenswürdig eingestuft. Martin und ich ärgerten uns über dem Verlust der Angel kostet ja auch noch richtig Geld. So schnell gebe ich nicht auf. Ich wusste, es ist noch einiges da an Köder Leine und Zubehör. So bastelte ich aus den verbliebenen Sachen wieder ein funktionierendes Equipment. Und legte wieder einen Köder aus. Allerdings war die Angelschnur auf einen Styroporblock aufgewickelt. Diesen klemmte ich zwischen zwei Rohre die normalerweise als Halter für Tauchflaschen dienen. Hauptsache es funktioniert. Zur Alarmierung verwendet ich eine 15 cm große Handglocke mit Holzgriff. An dieser befestigte ich einen großen Monohacken um diesen in die Angelschnur ein zu hängen. Zusätzlich sicherte ich die Glocke mit einer stabilen Leine damit diese nicht auch noch über Bord geht. Ich wechselte etwa stündlich den Köder weil sonst nichts passierte.

Inzwischen frischte der Wind etwas auf 10 bis 12 Knoten aber er kommt leicht Backbord schräg von vorne. Knapp 30 Grad, das ist für effektives Segeln zu wenig. Aber man kann mit dem Groß, so nennt man das Großsegel, den Vortrieb etwas unterstützen und dabei Sprit sparen. So beschlossen Martin und ich das Groß zu setzen dabei sind einige Dinge zu beachten und entsprechend vorzugehen. Zuerst das Boot in den Wind fahren. D.h. Der Wind muss mittig von vorne kommen. Die beste Anzeige dafür ist der Verklicker, der sich am Top des Mastes befindet. Ein kleiner Pfeil der sicher zeig aus welcher Richtung der Wind weht. Kurs zum Wind liegt an. Dann das Großfall, ist die Leine mit der das Segel nach oben gezogen werden kann, auf die Winsch belegen. Die Winschen sind drehbare Spannrollen auf die Leinen mindestes drei Mal umwickelt über einen speziellen Gleiter gleitet die Leine dann in den obenliegenden Spannbereich damit kann man sehr hohe Kräfte, Zug, an die Leine bringen, dann öffnen der Refleinen. Mit der Winsch wird nun am Großfall gezogen, dadurch hebt sich das Segel. Wir sind mit dem Segelhissen etwa mittendrin plötzlich schlägt die Glocke der Angel an. Martin reagiert prompt und sag geh nach der Angel sehen und reduziert sofort die Bootsgeschwindigkeit. Über einen Griff an die Angelschnur stelle ich schnell fest das daran gezogen wird. Ich entferne die Sicherungen und die Glocke und hole die Schnur ein. Tatsächlich ich hatte ein Fisch an der Leine. Er war nicht sonderlich groß und kämpft auch nicht heftig. Das an Bord bringen gestaltete sich nicht einfach, da an der Bugtreppe auf beiden Seiten des Schiffes Sicherungsleinen gespannt waren und auch jeweils beidseitig ein dicker Rundfender zum Sichern beim Rückwärtigen anfahren an z.B. Einer Mole im Weg waren. Aber mit einem ruckartigen Zug brachte ich die Goldmakrele, die etwa 40 cm lang war an Bord

Martin reichte mir einen Gummihammer, mit dem machte ich den Fisch Bewegungslos. Die beiden Mädels waren sichtlich erfreut und nahmen mir den Fisch gleich ab. Ich übte mich im putzen des Hecks, da wo der Fisch seine Spuren hinterlassen hatte. So legte ich die Angel wieder aus. Kurz danach lag die Goldmakrele sauber ausgenommen auf dem Zubereitungstisch in der Küche. Elke zierte sich überhaupt nicht den Fisch auszunehmen, auch Inka war tatkräftig mit dabei. Das sah sehr appetitlich aus. Ein paar Schnitte in die Haut des Fisches mit Knoblauch und Petersilie gefüllt oben auf den Fisch lagen Zitronenscheiben. Das Ganze in Alufolie und ab in den Backofen. Eine halbe Stunde später wurde zum Essen gerufen. Der Tisch war nett eingedeckt mit Weißweingläser. Der Fisch sauber zerlegt mit Zitrone und Brot. Martin holte einen majorkinischen Weißwein blanc de blanc den ich in Porto Colom gekauft hatte. Ein sehr gutes Essen, sehr lecker. Nach dem Essen stand ich draußen und rauchte eine Zigarette. Inka wollte gerade auf das Vorschiff da sprang ein Fisch aus dem Wasser, was es war konnten wir nicht erkennen aber er war ungefähr einen Meter lang und sprang immer wieder. Es dauerte nicht lange da flog die Alarmglocke wieder durch die Luft sofort Motorenstopp beim Einholen der Leine war sofort klar. Der hatte wieder alles abgerissen. Bei der Überprüfung der Leinenreste war ersichtlich das Stahlvorfach an dem der Drilling befestigt ist an der Befestigungsschleife aufgegangen. Der zweite dicke Fang ging uns somit durch die Lappen. Wir lungerten noch etwas rum. Ich las noch ein paar Seiten in meinem Buch, trank mit Martin noch ein Bierchen und ging dann um ca 22 Uhr schlafen.

Um 3.00 Uhr am 25.10.2018 übernehme ich wieder von Martin die Fahrwache auf Pos. N 36’22’1 / W3’31’7 keine besonderen Vorkommnisse. Wir sind 111 Nm von unserm ersten Zwischenziel Tanger entfernt. Um 5.25 Uhr sind wir bei Nm 96,3 von Tanger. SOG 6,4 Knoten Windgeschwindigkeit 7,4 Knoten direkt von vorne die See ist abermals sehr ruhig. Nachdem wir etwa auf dem halben Weg nach Tanger waren, beschloss Martin, dass wir nicht Tanger anfahren sondern etwa 3 Stunden weniger Smir in Marokko. So sind wir um 17.20 in die Marina von Smir eingefahren. Die Jungs dort waren sehr nett und forderten uns auf die Leinen an der Mole rüber zu werfen so konnten wir direkt an der Tankstelle und an der Zollstelle anlegen. Das war für uns sehr wichtig und deshalb sind wir auch nach Smir gefahren um frühzeitig in der Marina noch tanken zu können. Martin erklärte uns, dass die Wetter und zu erwartende Winde uns im Moment nach Gibraltar nicht wirklich gut sind und er würde es bevorzugen die Nacht in Smir zu bleiben. Es ist zwar sehr umständlich, das einklarieren, sich im Zollbereich zu registrieren. Aber Martin nahm das auf sich. Nach etwa einer Stunde war alles erledigt. Nach unserem Anlegerbier gingen wir Richtung Supermarkt, um noch ein paar Sachen ein zu kaufen, die uns an Bord ausgegangen waren.

Eine schöne Marina aber es war nichts los. Die vorhandenen Plätze waren höchstens zu einem Drittel belegt. Ein paar wenige Restaurants hatten noch geöffnet. Wir beschlossen zu einem dieser zu gehen um noch etwas zu Abend essen. Als marokkanischen Küche gab es Tajenne, Das sind Keramikteller mit eine Art Mütze auch aus Keramik, oben ist der offen und sieht aus, wie ein abgesägter Krug. Das Gericht bestand aus Bohnen und Hähnchenstückchen. Oben auf dem Hähnchen lagen eine halbe Portion Pommes. Wir hätten gerne ein Bierchen dazu getrunken aber das Restaurant hatte dazu keine Lizenz, der Ober erlaubte uns aber mitgebrachte Getränke zu trinken. So ging ich kurz zurück zum Boot und holte zwei Dosen Bier und eine Flasche Wein den ich auf Mallorca gekauft hatte. Um halb zehn waren wir wieder auf dem Boot. Dort spendierte ich uns einen Karlos 1 einen ausgezeichneten spanischen Brandy. Alle waren happy damit. Zum Nachgang gab es noch eine Flasche majorkinischen Rose der auch gut schmeckte. Seltsam plötzlich tranken auch unsere Mädels, die sich viel gesünder ernähren als Martin und ich, Alkohol. Dann ab ins Bett. Ich duschte und war sehr müde.

Ich schlief bis kurz vor neun. Als ich aufstand war der Kaffee bereits fertig. Martin wollte das ausklarierend vorbereiten. So ging ich mit den Damen nochmals zum Supermarkt. Wir wollten noch Brot besorgen. Die Supermärkte machen, erst um 10 Uhr auf. So setzten wir uns gegenüber der SAMCAT in ein Café tranken Espresso und bestellten Croissants zum Mitnehmen. Nach unserer Rückkehr machte sich Martin auf den Weg zum ausklarieren. Kurz danach kam er mit zwei Uniformierten zurück. Diese wollten die Drohne die an Bord war und offiziell in Marokko verboten sind, sehen. Die Wassertanks wurden nochmal nachgefüllt. Dann war Elke noch zu einem Katamaran der ganz in der Nähe lag rüber gegangen um mit den Leuten zu reden der Katamaran hatte hinten zwei fette angeln aufgestellt bestes Equipment. Ich rief ihr rüber sie solle doch nach einer der Angeln fragen ob eine davon zu kaufen sei? Sie fragte und tatsächlich der Besitzer sagte für 1000 Euro gibt er eine ab. Martin rief klar die kauf ich. Er fragte mich noch, glaubst du das es ein gutes Geschäft ist, was ich bejahen konnte edelste Angelrute mit noch edlerer Rolle.

Martin freute sich über seine neue Errungenschaft wie ein kleiner Junge, ihn hat das Angelfieber gepackt. Nun konnten wir ablegen alles ganz easy und mit Ruhe sauber arbeiten 3 Minuten später fahren wir bereits An der Hafeneinfahrt vorbei. Kurs Südlich der Schifffahrtsstraße durch Gibraltar fahren wir Richtung Atlantik. Die Mädels sitzen am Steuer zur Überwachung des Verkehrs, hier ist einiges los. Viele Schiffe, Fähren, Frachter, Fischerboote und alles Mögliche ist hier unterwegs. Wir haben klar Schiff gemacht und ein paar kleine Reparatur durchgeführt. In der Kabine von Elke waren diverse nicht funktionierende Schubladen, Verriegelung nicht in Ordnung mit etwas Werkzeug und ein paar geschickten Handgriffen ist in einer halben Stunde alles erledigt. Der Köder an der neuen Leine sieht bereits etwas abgenutzt aus. Mit einer zusätzlichen Leine und einen Drillingshacken kann ich den Köder noch aufpäppen. Dann die Angel auf Funktionen und Einstellmöglichkeiten prüfen den reparierten Wobbler anbauen und los geht’s. Nun muss die Angel noch in die richtige Stellung oder Halterung eingebracht und durch zwei Leinen gesichert werden.

Damit uns der Verlust eines solch tollen Gerätes nicht nochmal passiert. Nach einer gewissen Zeit stellen Martin und ich fest, dass wir trotz erhöhter Motordrehzahl ziemlich langsam unterwegs sind. Normalerweise fahren wir mit 1700 Umdrehungen etwa 8 Knoten. Heute sind es bei 1850 nur knapp4 Knoten. Wir haben dann festgestellt das durch die Tide = Ebbe und Flut ströhmt Wasser in der Straße von Gibraltar vom Mittelmeer in den Atlantik. Wir haben gerade das Pech, dass wir gegen die Strömung fahren was uns wesentlich langsamer macht. Wind kommt auch von vorne. Somit müssen wir mit Motor weiter. Am nächsten Wegepunkt der unsere Route markiert liegt etwa 30 Nm im Atlantik den wir in Kürze anfahren. Dann drehen wir nach Süden ab um auf einer fast geraden Linie nach Fuerteventura zu segeln. Lt. Infos aus den Wind und Wetter Finder und auch die WhatsApp von Inkas Vaters der anscheinend leidenschaftlicher Segler ist sollten wir dann auch vernünftigen Segelwind haben. Wäre inzwischen auch mal schön, die Segel zu hissen und schöne Fahrt zu machen. ich denke ich werde wieder die Nachtwache von 3 bis 6 Uhr übernehmen. Es ist jetzt 21 Uhr dann gehe ich bald ins Bett damit ich noch etwas schlafen kann. Um 2.45 Uhr klingelt mein Wecker. Ich habe sehr gut geschlafen. Kaffee wäre jetzt ganz gut. Also mache ich mir mit der hochmodernen Nespresso einen Kaffee. Die Maschine hat ein eigenes Leben. Mit Autostart und automatischen Kappselauswurf. Aber inzwischen komme ich auch damit klar. Um 2.58 Uhr kommt Martin der die Wache von 12 bis 3 Uhr hatte von der Brücke runter. Es regnet und gewittert. Die See ist trotzdem sehr ruhig. Der Wind steht mit 3 kn von vorne an. Also ist im Moment kein Segelwind und wir fahren weiter auf Motor mit 1500 Umdrehungen bei 6 kn. Eine sehr Motorschonende und Sprittsparende Einstellung. Wir hatten Wind ausNordwest erwartet, der uns mit 10 bis 15 kn. Richtung Fuerteventura treiben sollte. Heute ist Samstag der 27.10.2018. wir haben noch 548 Nm bis zum Ziel in Fuerteventura. D.h. Wir haben etwa die Hälfte der Strecke hinter uns. Allerdings nur max 100 Nm mit Segel. Eigentlich sollte es ein Segeltörn sein? Aber Wetter und Wind können wir ja nicht beeinflussen, dann nehmen wir es wie es ist, und Motoren halt. Um 3.30 Uhr bin ich von Radarwarner aufgeschreckt worden. Warnung wegdrücken und intensiv Ausschau. Aber es ist Kuhnacht. Der Radarwarner löst ein 2tes Mal aus. Okay Geschwindigkeit reduzieren, nochmal alles überprüfen. Auf dem Display in Radareinstellung kann Mann irgendetwas auf uns zu treiben sehen. Um einer Kollision auszuweichen ändere ich den Kurs von 230 auf 260 grad ab. Das Schiff dreht ab und weicht aus. Von der Brücke kann ich nichts erkennen. Ich gehe mit dem Fernglas nach unten und suchen in der Dunkelheit. Nichts zu sehen. Die Anzeige im Radar ist weg. Okay, Kurs Autopilot von Automatik auf Navigation umstellen. Dabei sind einige Schalter in der richtigen Reihenfolge zu betätigen. Ich habe das inzwischen schon ein paarmal gemacht und es funktioniert auf Anhieb. Sonst keine besonderen Vorkommnisse. Um 6 Uhr kommt Inka und löst mich ab. Ich gehe schlafen, stelle aber den Wecker auf 7.15 Uhr, ich wollte bei Tagesanbruch die Angel ausbringen.

           

           

 

 

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